Nicht die halbe Macht, aber nah dran

13. Juni 2009 geschrieben von Christina Schildmann  
Abgelegt unter Schein und Sein, Zeit und Geist

Manche halten es für eine Verschwörung des Weiblichen. Egal, welchen Sender man einschaltet, überall Frauen. Und sie dürfen richtig viel machen: nicht nur Weichspüler anpreisen oder die Nachrichten vorlesen, sondern das Mikro halten, Fragen stellen, Rederechte erteilen. Viele Zuschauer ziehen daraus den Schluss: Frauen haben in Deutschland die Macht. Ein Kurzschluss.

Keine Frage, es ist ein Fortschritt, dass Anne Will den Westerwelles dieser Welt die Fragen stellen darf und nicht Peter Hahne. Aber ist die fragende Frau mächtiger als der antwortende Mann? Ist die Frau, die vor der Kamera die Augenbraue hebt mächtiger als der Mann, der in Aufsichtsräten den Daumen hebt oder senkt. Der über das große Geld, die großen Entscheidungen und die großen Fehler wacht?

Warum sitzt im Aufsichtsrat bei Springer neben Friede keine zweite Frau? Warum bei Bertelsmann neben den Mohn-Frauen nur noch die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und sonst lauter Männer? Warum findet sich in den DAX-Unternehmen unter 180 Vorstandsmitgliedern nur eine einzige Frau? Es ist ja offenbar so: Wenn man gewähren lässt, dann wählen Männer fast nur Männer in den Aufsichtsrat. Darum ist es gut, dass die SPD jetzt eine 40-Prozent-Quote für Frauen in Aufsichtsgremien fordert. Das ist zwar noch nicht die halbe Macht, aber es ist ziemlich nah dran.

Schein und Sein, Zeit und Geist

13. Juni 2009 geschrieben von Christina Schildmann  
Abgelegt unter Schein und Sein, Zeit und Geist

Ich glaube ja, dass Feminismus heute nicht nur eine Machtfrage, sondern auch eine Stilfrage ist (manche glauben sogar, dass es nur eine Stilfrage ist). Darum finde ich es auch konsequent, dass der Feminismus sich von den Gesprächskreisen, Frauenbuchhandlungen und einschlägigen Redaktionsstuben emanzipiert hat und Teil der Popkultur geworden ist. Eigentlich das Beste, was ihm passieren konnte. Und weil das so ist, soll es in dieser Rubrik genau darum gehen: um Literatur und Kultur, um Schein und Sein, um Geist und Zeitgeist. Und um die Frage, wer eigentlich was zu sagen hat.