Er trägt schon 68 und ich?

22. August 2009 geschrieben von Katrin Molkentin  
Abgelegt unter Zwischen Pudern und Promotion

familiekarriere

Soviel wollte ich nebenbei machen. Ein Buch schreiben oder zumindest regelmäßig Texte für diese Seite hier. Einen Master machen oder zumindest einen VHS-Kurs abschließen. Einmal das Mittelmeer umfahren oder zumindest Frankfurt am Main gesehen haben. Nach 9,5 wochen habe ich das erste Kapitel begonnen, mich in Kinderkrankheiten und Babypflege weitergebildet und bin schon bis nach Kiel zu meinen Schwiegereltern gereist.

Unser Nachwuchs trägt bereits Größe 68 und aus mir ist immer noch keine Heidi Klum, Angelina Jolie oder Michelle Obama geworden. Sie machen es uns vor: Eine Mutter umsorgt liebevoll ihr Kind und versorgt souverän den Haushalt. Sie pflegt gute Beziehungen zu allen Freunden, Verwandten und Anverwandten. Sorgt für ihren Lebenspartner/Mann und liest ganz nebenbei die neuesten Fachbücher der Gesundheits- und Ernährungswissenschaft. So wird sie später nicht nur Ökotrophologin, sondern kann nebenbei als Foodjournalistin etwas dazuverdienen!

Ich bin nicht wie diese Rolemodels und entspreche schon gar nicht den Werbebildern einer jungen Mutter. Aber welche Mutter tut dies schon? Zum Milch abpumpen lege ich weder Schmuck an, noch trage ich Schminke auf. Die Frau auf der Verpackung meiner Pumpe schon! Ich öffne dem Postboten auch nachmittags noch im Bademantel die Tür, obwohl ich bereits seit Stunden auf den Beinen bin. Das Kind auf meinem Arm lächelt nicht, sondern unterhält sich mit mir. Andere würde sagen: Es schreit! Dabei vermitteln mir Elternmagazine, Bücher, Werbe- und Kinofilme ein anderes Bild. Ich bin reingelegt worden. Ich bin weder eine Re-Start-, noch eine Multi-Handling- und schon gar keine Latte-Macchiato-Mutter. Mir ist nicht klar, welche Lebenswelten Fanta und das Zukunftsinstitut untersucht haben, um diese und 6 weitere Muttertypen zu entdecken.

Aber im Ernst! Was ich festhalten möchte ist, dass eine Mutter heute beides sein soll: Fels in der Familienbrandung und Arbeitsbiene. Das viele Frauen auf diese Anforderung mit der Reduktion ihrer Arbeitszeit reagieren, kann ich zumindest verstehen, wenn auch nicht nachmachen. Ich muss den Beweis noch antreten, dass ich Vollzeit arbeiten gehen und mich um den Nachwuchs zur Hälfte kümmern kann. Ich hoffe, dass ich an diesem öffentlichen und auch eigenen Anspruch nicht scheitern werde.

Und dennoch weiß ich, dass ich trotz der beabsichtigten voll umfänglichen Arbeitsplatzausübung für viele KollegInnen nach meiner Rückkehr nicht mehr die gleiche sein werde. Ich werde um 16.15 Uhr das Haus verlassen, weil ich den Kindergarten vor seiner Schließung erreichen muss. Letzte Woche habe ich den Betreuungsplatz für unseren Kurzen klar gemacht. Seit dem denke ich viel über mein Vereinbarkeitsexperiment nach. Das Objekt unserer Kinderbetreuungsbegierde hat bis 17 Uhr geöffnet. Ich kann und will mich darüber nicht beschweren. Ich kann nicht, weil in vielen Teilen Deutschlands dies als Betreuungsoase gilt, angesichts einiger Orte, in denen Kinder um 12 abgeholt und nach dem Verzehr des heimisch zubereiteten Mahls wieder hingebracht werden. Und ich will nicht, weil nicht längere Öffnungszeiten, sondern eine Änderung unserer Arbeitskultur die Lösung sein muss. Leider hat sich diese Erkenntnis noch nicht sehr weit durchgesetzt. Vielmehr wird erwartet, dass wenn man sich schon die Beine ausreist, dass man mit den Armen einfach ebenso verfährt. Ich erwische mich oft bei der Frage wie viel Kinder man max. haben kann, wenn man Vollzeit tätig bleiben will?

Wann endlich sind Termine nach 16.00 Uhr Vergangenheit? Wann endlich gilt der junge Mann, der am nächsten Tag übermüdet über den lang gewordenen Arbeitstag stöhnt, als unorganisiert statt bewundernswert? Wann endlich proben junge Frauen in den Betrieben den Aufstand, statt das Teilzeitmodell?

Das werde ich in den nächsten Jahren sicher häufiger fragen. Ich bin nicht mehr Teil dieser Arbeitskultur, sondern fühle mich von ihr bedroht. Ich habe die Seiten gewechselt. Wahrscheinlich bin ich nichts weiter als eine Lobbyistin. Und die haben es bekanntlich nicht leicht.

Einen Unterstützer habe ich bereits: Olaf Scholz hat seine Gedanken dazu bereits skizziert. Was meint ihr? Wie muss die neue Arbeitswelt aussehen?

Adoptionsrecht für Regenbogenfamilien

28. Juli 2009 geschrieben von Katrin Molkentin  
Abgelegt unter Zwischen Pudern und Promotion

Besser könnte ich es auch nicht ausdrücken. Deswegen an dieser Stelle heute kein eigener Text zum Thema, sondern ein Link zu einem Blogbeitrag von Brigitte Zypries: http://spdlink.de/spYM

Die Tasche steht wieder im Schrank

12. Juli 2009 geschrieben von Katrin Molkentin  
Abgelegt unter Zwischen Pudern und Promotion

konradtastatur

Der erste Monat liegt hinter mir. Ich lebe jetzt in einer neuen Zeitrechnung, sozusagen n.Ge* wie Leute mir glauben machen wollen, die ihr Leben nur noch in ein Davor und ein Danach teilen, sobald das erste Kind geboren ist. Keine Frage, so ein Kind ist ein einschneidendes Erlebnis, aber eben auch kein Tsunami. Es hat sich über mehrere Monate angekündigt und durch verschiedenste Instrumente stetig bemerkbarer gemacht. Ich persönlich kann dem verbalen Getöse nichts abgewinnen. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Kleine ist zuckersüß und hat unsere Herzen schnell erobert, aber es muss dennoch erlaubt sein zu sagen, das zuviel einfach zuviel ist. Ich persönlich begrüße es sehr, dass Frauen heute nicht mehr auf das Kinder bekommen reduziert sind. Sie besitzen heute Qualifikationen und Bedürfnisse, Fähigkeiten und Wünsche, die sie nach mehr streben lassen. Heute muss keine Frau mehr ihr Leben lang mit Geschichten von der Geburt ihrer Kinder alle An(Verwandten) tausendfach langweilen. Es werden nicht die einzigen Höhepunkte in ihrem Leben bleiben. Diese Aussicht stimmt mich versöhnlich mit der jetzigen Situation: Zu Hause und in der Kernarbeitszeit allzeit zuständig für den Nachwuchs zu sein. Ich habe mich dazu entschlossen 12 Monate Elternzeit zu nehmen und somit den weit größeren Anteil der zustehenden 14 Monate nutzen. Ich könnte jetzt sagen, weil es nicht anders geht. Das erscheint uns so, aber ob es stimmt, weiß ich bis heute nicht. Und dennoch klage ich auf hohem Niveau, denn das Büro des Dritten im Bunde befindet sich in den Betreuungsräumen und so kann er unterstützend eingreifen. Macht er auch. Purer Luxus im Vergleich zu den Werktätigen, die morgens pünktlich aus dem Haus müssen und erst nach vollschichtiger Tätigkeit zurückkehren.

Und dennoch bin ich einiges entfernt von den Vorstellungen einer emanzipierten Familie, die Lisa Ortgies in einem Plädoyer zusammengefasst hat. Dieses Plädoyer erscheint Mitte August im Buchhandel und ich bin mir sicher zwischen den Buchklappen lassen sich viele kluge Gedanken finden. Denn vor kurzem konnte ich mich auf einer Veranstaltung der FES davon überzeugen, dass sie viele Ideen für eine gerechtere und zugleich organisierbarere Familienarbeit zusammengetragen hat. Ich bin gespannt und habe es daher schon vorbestellt.

Wieviel ich zum Lesen komme, hängt von meinem Organisationstalent ab. Ich verabscheue zwar den Begriff der Familienmanagerin, nicht weil ich ihn für falsch halte – hier ist viel zu managen und oft müssen drei Dinge mit einer freien Hand erledigt werden – sondern, weil er zu oft missbraucht worden ist. Ich brauche keine verbale Aufwertung meiner derzeitigen Tätigkeiten aus konservativer Ecke. Denn die meint damit meist, ich könnte bei diesen Aufgaben bleiben. Das wollen aber immer weniger Frauen. Das Modell Hausfrau wird ebenso abgelehnt, wie die Supermutti, die alles kann. Insofern freue ich mich auf das „Plädoyer für eine emanzipierte Familie“, denn ich erwarte die Beschreibung des goldenen Mittelweges. Nicht mehr und nicht weniger!

* nach Geburt

Die Ebert-Stiftung lud zum Duell

30. Juni 2009 geschrieben von Katrin Molkentin  
Abgelegt unter Zwischen Pudern und Promotion

fes_va

Treten zwei Kontrahenten freiwillig mit gleichen und potenziell tödlichen Waffen gegeneinander an, um eine Ehrenstreitigkeit auszutragen, spricht man – nicht nur laut Wikipedia – von einem Duell. Freiwillig waren Sie gekommen, um sich mit Worten über Formen und Farben, Erreichtes und Verpasstes des neuen und alten Feminismus auszutauschen: Lisa Ortgies, Ilse Lenz und Meredith Haaf sollten sich stellvertretend für Frauen ihrer Generation auf dem Podium duellieren. Als Unparteiische wurde die taz-Redakteurin Heide Oestreich dazwischen gesetzt. Waren die Generationen auf der Bühne noch zu gleichen Teilen vertreten, so waren die Anhängerinnen im Publikum ungleich erschienen. Meredith Haaf erhielt die geringste Unterstützung aus den Zuschauerreihen. Sie sollte sogar dafür verantwortlich sein, dass der heutige Feminismus so viel weniger Schlagkraft hat als zu seiner hiesigen Zeit. Zumindest eine Zuhörerin unternahm den Versuch eines Schuldspruchs.

Dabei waren die Beiträge der anderen Teilnehmer doch eher versöhnlich. Der Feminismus sei eine dauernde Bewegung und nimmt an Dynamik sogar zu, behauptet Ilse Lenz von der Ruhruni Bochum. Nachweisen will sie dies anhand von medial berichteten Ereignissen, die tendenziell zunähmen, wenn auf dem Weg auch Auf- und Abs zu verzeichnen seien. Lisa Ortgies und Meredith Haaf machten auch deutlich, dass sie ihre Vorgängerinnen keine ihrer Leistungen absprechen wollten, aber dennoch auf der Suche nach Antworten auf die neuen oder eben verbliebenen Fragen sind. Lisa Ortgies hat sich dem alten Leitmotiv „Das Private ist politisch“ gewidmet und versucht eine emanzipierte Familie zu beschreiben. Die Gleichstellung müsste vor allem in den Familien erreicht werden. Ihr Buch erscheint erst Mitte August, aber sie hat bereits kleine Gedanken aufblitzen lassen. Sie begrüßt zum Beispiel die Partnermonate beim Elterngeld, gibt aber zu Bedenken, dass die Männer nicht unter den gleichen Bedingungen in Elternzeit gehen könnten, wie ihre Partnerinnen. Denn für diese gilt der Kündigungsschutz ab dem Tag, an dem sie dem Arbeitgeber gegenüber ihre Schwangerschaft anzeigen. Männer haben diesen Schutz nicht und müssten noch immer viel zu oft mit einem Rauswurf rechnen, wenn sie ihre Elternzeit in Anspruch nehmen wollen. Auch wenn ich mir schon viele Gedanken um eine gerechte Lastenverteilung bei der Familiengründung und –realisierung gemacht hatte, so ist mir dieser noch nicht untergekommen. Das macht Lust auf mehr.

In der Diskussion haben Podium und Zuhörerinnen gleichermaßen festgestellt, dass Feministin sein, keine Frage des Geschlechts, sondern oftmals des Alters ist. Während Teens noch selbstverständlich von der Realisierung all ihrer Träume ausgingen, so haben die Twens schon erste Rückschläge erlebt und die Thirteens wissen, um die dahinterliegenden Mechanismen. Und sie haben eben doch etwas mit dem Geschlecht zu tun. Insofern müsste der Feststellung, die Meredith Haaf auf dem Podium äußerte, wonach ihr größtes Defizit vielleicht wäre, nicht politisch aktiv zu sein, der Parteieintritt sein. Und wenn nicht der, dann zumindest der Schritt in eine andere politische Organisation, wie z.B. eine Gewerkschaft. Aber leider folgt ein solch bindender Schritt viel zu selten der Feststellung nur von innen heraus etwas besser bewegen zu können. Was würde ich mich freuen, wenn Parteien endlich wieder en vogue wären. Denn gut sind sie bereits und vor allem besser als ihr Ruf.

Ursula meint: Kauft Kredite!

13. Juni 2009 geschrieben von Katrin Molkentin  
Abgelegt unter Zwischen Pudern und Promotion

UvdLDie Bundesministerin für Familie hat vor wenigen Tagen in einer Pressekonferenz ihr Memorandum „Zeit für Familie“ vorgestellt. Mit Interesse habe ich ihre Ausführungen verfolgt, weil ich Aussagen erwartet habe, die unsere heutige Arbeitskultur kritisch in die Mangel nehmen.

Unbestreitbar sind ihre Äußerungen, wonach Familien mehr Zeit füreinander brauchen und Beruf und Alltag nur sehr wenig Zeit für Gemeinsamkeiten lassen.

Sofort denke ich an Vollzeit arbeitende Menschen, die es kaum schaffen die zeitlichen Anforderungen eines Arbeitstages im Rahmen der Öffnungszeiten ihrer Kita unterzubringen. Und diese gestressten Menschen sind schon zu den glücklicheren zu zählen. Denn neben ihnen gibt es immer noch, v.a. Frauen, deren örtliche Kinderbetreuungsangebote gar keine 8h-Tage zulassen.

Ich denke an Aussagen von Brigitte Zypries, wie hier anlässlich der Veranstaltung „90 Jahre Frauenwahlrecht“.

Mir fällt sofort die rechtliche Besserstellung der Langzeitkonten ein, wie sie Anfang Januar vom Arbeitsminister Scholz auf den Weg gebracht wurden.

Ich träume von deutschen Managern und leitenden Angestellten, die Sitzungen um 15.30h abbrechen und eine Fortsetzung für den nächsten Tag ankündigen. In Norwegen ist dies kein Traum, sondern Realität. Denn hier sind sich alle einig: ein Manager ist auch Familienmann. Eine leitende Angestellte eine Mutter.

Kurz: Ich teile die Analyse von Ursula von der Leyen, aber bereits ihr Lösungsansatz reißt mich aus meinen Vereinbarkeitsträumen. Ihre Vorstellungen sind weit von meinen entfernt. Sie denkt nicht an ein Aufbrechen der deutschen Omnipräsenz am Arbeitsplatz, sondern an Kreditangebote.

„Das Memorandum schlägt die Einführung eines Familienzeitkredits vor, der die finanzielle Lage von Familien in Phasen erleichtern würde, in denen sie mehr Zeit für ihre Familien brauchen. Ein solcher Zeitkredit ist ein zinsgünstiges Darlehen, mit dem vor allem Erwerbstätige vorübergehend aus dem Beruf aussteigen oder die Arbeitszeit verringern können, wenn die familiäre Situation dies erfordert. Vorbild wäre der bereits existierende Bildungskredit.“

Nicht nur in Zeiten, die unter dem Eindruck einer aus faulen Immobilienkrediten entstandenen Finanzkrise stehen, das falsche Mittel. Für mich kein denkbarer Ansatz. Mein Ratschlag: Besser diese Idee nicht wiederholen, liebe Ursula und schnell abtauchen.

Die Tasche ist gepackt - eine Reiseeinladung

10. Juni 2009 geschrieben von Katrin Molkentin  
Abgelegt unter Zwischen Pudern und Promotion

Katrin MolkentinÜber den Spagat zwischen beruflichem Fortkommen und familiären Pflichten ist viel gesprochen worden. Allerhand Instrumente, Programme, Projekte und Studien dazu finanziert worden. Zweifelsfrei darf festgehalten werden, dass diese zur Verbesserung der Situation beigetragen haben. Aber nach wie vor muss man ihnen attestieren, nicht mehr als die Summe der Einzelmaßnahmen und damit keine Gesamtlösung zu sein.

Ich möchte euch mitnehmen auf eine Reise in diese Kluft zwischen Familie und Beruf, eben auch, weil ich mich am praktischen Anfang dieser Reise befinde. In wenigen Tagen werde ich mein erstes Kind zur Welt bringen und die Vereinbarkeit ist nicht mehr länger eine theoretische Diskussion verbunden mit Annahmen, Thesen, Vermutungen und Erwartungen. Vor mir liegt eine Welt voller Entscheidungen, Wegen, Zwangslagen und automatischen Abläufen.

Keine Angst. Dies soll kein Betroffenheitsblog werden! Auch wenn ich nicht als meinungsschwach bekannt geworden bin, werde ich trotz persönlicher Berührungspunkte stets bemüht bleiben allgemeingültige Betrachtungen in den Mittelpunkt des Blogs zu stellen. Aber gegen einen Realitätscheck ist ja sicher nichts einzuwenden?

Ich lade euch ein, meine Ausführungen der Kategorie “Zwischen Pudern und Promotion” zu begleiten und lautstark auseinander zu nehmen. Ich bin auf der Suche nach konstruktiven Kontroversen, Debatten und Streitgesprächen.

p.s. Mich findet ihr nicht nur hier auf aufstiegssprossen.de, sondern auch bei
facebook_logo twitter pankekiez