Die Schwester im Fußball

18. Januar 2010 geschrieben von Katrin Muench  
Abgelegt unter Schein und Sein, Zeit und Geist

fusballfrau_xsMan kann Frauenfußball mögen oder nicht. Witzig und gut gemacht ist die kleine Schwester des Fußballmagazins „11 Freunde“ auf jeden Fall. „11 Freundinnen“ ist vom Schreibstil, der Fotosprache und den Rubriken dem Magazinbruder nachempfunden. Allerdings mit einem kleinen Unterschied: Das Magazin definiert den Sport neu. Nicht als Kopie des etablierten Männerfußballs sondern als eigenständige Sportart. Man kann entweder über Jahre hinweg bemängeln, das Frauenfußball (immer noch) kein Teil der deutschen Fußballkultur ist. Oder man vergibt einfach neue Regeln. Und genau das tun die Fußballfrauen auf eine erfrischende Weise. Ihre Interviews sind humorvoll, selbstkritisch, ehrlich und vor allem bodenständig. Ein Medienverhalten, das man von männlichen Bundesliga-Spielern nur selten erlebt. Auch die traditionellen Tipp-Kick-Spieler unter uns müssen umdenken. Wer früher, seinen Gegner mit den Worten „wir spielen hier keinen Frauenfußball“ zur Demütigung zwingen wollte, muss in Zukunft klein beigeben. Frauenfußball ist schneller, härter und aggressiver als gedacht. Mit dem Mädchenfußball ist es spätestens bei internationalen Wettkämpfen und in der Bundesliga vorbei. Überzeugen kann man sich davon live auf dem Spielfeld. Und wem das jetzt noch nicht genug war, dem sei noch die neue weibliche Tipp-Kick-Figur empfohlen, die im Frühjahr mit modischem schwarzen Federschwanz in die Geschäfte kommt. Na dann: mal los!

Schönheit! Schönheit! Kompetenz!

26. August 2009 geschrieben von Bettina Schulze  
Abgelegt unter Schein und Sein, Zeit und Geist

hcp_09082303aManuela Schwesig ist zweifellos eines der Nachwuchstalente in der SPD und daher auch seit der Aufnahme in Steinmeiers Kompetenzteam zahlreich in den Medien vertreten. Es ist erfreulich, dass eine junge Frau in Deutschland wieder für echte Frauenpolitik eintritt, die zum einen nicht nur Familienpolitik ist und zum anderen die unterschiedlichsten Formen von Familie in Ihre Politik mit einbezieht.

Einer der neuesten Berichte in der taz hat mich heute jedoch sehr erschreckt. Dort ist Frau Schwesig in etwas seltsamer, körperlich sehr naher Pose mit Kanzlerkandidat Steinmeier abgebildet. Darunter die Unterschrift: “Ich bin nicht wegen meines Aussehens, sondern wegen meiner Kompetenz ins Team Steinmeier berufen worden.” Gleich die erste Frage des Interviews bezieht sich auf ihr Äußeres. Auch viele andere Darstellungen im Fernsehen und in den Zeitungen spielen auf ihr junges Alter und ihr Aussehen an.

Für mich zeigt diese Darstellung eins: Frauen werden in den Medien immer noch verstärkt auf ihr Äußeres reduziert. Impliziert wird damit suggeriert, dass sie nicht durch Ihre Kompetenz sondern durch Ihr Aussehen zu ihrem politischen Erfolg gekommen sind. Dieses Aufdrücken typischer Rollenmuster ist ärgerlich. Wieso müssen Frauen in den Medien auf diese Art und Weise dargestellt werden? Wann werden Frauen in Politik und Wirtschaft genauso ernst genommen wie Männer? Solang diese Darstellungen vorherrschen, wird sich auch in unseren Köpfen nichts verändern. Diese Darstellungen sind ein Rückschritt für die Gleichstellung und müssen kritisiert werden!

Über mich: Seit Juni 2009 bin ich Mitglied im Juso-Bundesvorstand und dort unter anderem für das Thema Gleichstellung zuständig. Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter wurde mir früh die Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft bewusst. Seit langer Zeit bin ich daher – unter anderem bei amnesty international - für die Frauenrechte aktiv.

Gleichstellungspolitik bedeutet Fortschritt!

31. Juli 2009 geschrieben von Bettina Schulze  
Abgelegt unter Schein und Sein, Zeit und Geist

Gleichstellungspolitik bedeutet Fortschritt!

Der gleiche Zugang von Frauen und Männern zu den gesellschaftlichen Ressourcen, wie der Bildung oder der Teilhabe am Arbeitsmarkt sind Grundanliegen unserer Gesellschaft, die sich aus Artikel 3, 2 des Grundgesetzes ergeben. Auf die Beseitigung von Nachteilen hinzuwirken, ist Aufgabe der Politik, aber auch der Zivilgesellschaft.

Abgesehen von diesem Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau, der nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch auf der ganzen Welt verwirklicht werden sollte, bedeutet Gleichberechtigung einen Fortschritt in allen Politikbereichen. Nicht umsonst, sind die skandinavischen Länder, die über ein hohes Maß an Gleichberechtigung verfügen, führend in vielen anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Bildungspolitik. In der Entwicklungszusammenarbeit hat man längst erkannt, die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen große ökonomische Verluste verursacht. Dort reagiert man längst mit genderspezifischen Wirtschaftsprogrammen, wie der Vergabe von Kleinkrediten an Frauen.

Diskriminierung von Frauen schadet der gesamten Gesellschaft. Aus diesem Blickwinkel sollte Gleichstellungspolitik ein Thema für jede und jeden politisch Verantwortliche/Verantwortlichen sein. Wer die Gesellschaft voran bringen will, muss Gleichberechtigung schaffen. Die politischen Forderungen hierfür sind klar: die staatliche Förderung einer gerechten Aufteilung der Familien- und Erwerbsarbeit, gerechte Entlohnung, ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft und eine geschlechtergerechte Politik in allen Politikbereichen.

Nicht die halbe Macht, aber nah dran

13. Juni 2009 geschrieben von Christina Schildmann  
Abgelegt unter Schein und Sein, Zeit und Geist

Manche halten es für eine Verschwörung des Weiblichen. Egal, welchen Sender man einschaltet, überall Frauen. Und sie dürfen richtig viel machen: nicht nur Weichspüler anpreisen oder die Nachrichten vorlesen, sondern das Mikro halten, Fragen stellen, Rederechte erteilen. Viele Zuschauer ziehen daraus den Schluss: Frauen haben in Deutschland die Macht. Ein Kurzschluss.

Keine Frage, es ist ein Fortschritt, dass Anne Will den Westerwelles dieser Welt die Fragen stellen darf und nicht Peter Hahne. Aber ist die fragende Frau mächtiger als der antwortende Mann? Ist die Frau, die vor der Kamera die Augenbraue hebt mächtiger als der Mann, der in Aufsichtsräten den Daumen hebt oder senkt. Der über das große Geld, die großen Entscheidungen und die großen Fehler wacht?

Warum sitzt im Aufsichtsrat bei Springer neben Friede keine zweite Frau? Warum bei Bertelsmann neben den Mohn-Frauen nur noch die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und sonst lauter Männer? Warum findet sich in den DAX-Unternehmen unter 180 Vorstandsmitgliedern nur eine einzige Frau? Es ist ja offenbar so: Wenn man gewähren lässt, dann wählen Männer fast nur Männer in den Aufsichtsrat. Darum ist es gut, dass die SPD jetzt eine 40-Prozent-Quote für Frauen in Aufsichtsgremien fordert. Das ist zwar noch nicht die halbe Macht, aber es ist ziemlich nah dran.

Schein und Sein, Zeit und Geist

13. Juni 2009 geschrieben von Christina Schildmann  
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Ich glaube ja, dass Feminismus heute nicht nur eine Machtfrage, sondern auch eine Stilfrage ist (manche glauben sogar, dass es nur eine Stilfrage ist). Darum finde ich es auch konsequent, dass der Feminismus sich von den Gesprächskreisen, Frauenbuchhandlungen und einschlägigen Redaktionsstuben emanzipiert hat und Teil der Popkultur geworden ist. Eigentlich das Beste, was ihm passieren konnte. Und weil das so ist, soll es in dieser Rubrik genau darum gehen: um Literatur und Kultur, um Schein und Sein, um Geist und Zeitgeist. Und um die Frage, wer eigentlich was zu sagen hat.