Ich bin mehr wert!

September 14, 2009 by Jenny Huschke  
Filed under Pogo auf dem Arbeitsmarkt

huschke2Pogo auf dem Arbeitsmarkt. Die wachsende Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern. Nur eine Hand voll weiblicher Führungskräfte in Chefetagen großer deutscher Unternehmen. Und die öffentlich Aufwertung moderner Familienpolitik, obwohl die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege noch immer wesentlich den erwerbstätigen Müttern und Vätern in diesem Land allein überlassen blieb, da ausreichend Infrastruktur und eine Kultur der familiengerechten Arbeitswelt Fehlanzeige war. Das waren Eckpunkte im Jahr 2007. Was gab’s noch?

Es gab eine Ministerin, die eine neue Familienpolitik vermarktete und irgendwie übersah, dass Gleichstellungspolitik weit mehr als das, weit mehr als das zweifellos wichtige Elterngeld, ist. Öffentlich wurde dabei intensiv über Frauenbilder gestritten. Und dabei lebten Ideen und Bilder wieder auf, die ich für längst überlebt oder doch zumindest ziemlich angestaubt gehalten hatte. Unworte des Jahres waren für mich: Herdprämie und Gebärmaschine. Ich glaubte, meinen Ohren nicht zu trauen. Es wurde höchste Zeit, Gesicht zu zeigen.

Ich bin mehr wert! – die DGB-Frauen starteten mit diesem Claim im März 2008 ihre frauenpolitische Initiative mit dem klaren Statement: Gleichstellungspolitik ist kein Unterpunkt von Familienpolitik. Erwerbstätige Frauen - mit und ohne Kinder - brauchen einen Dreiklang aus Entgeltgleichheit, Karrierechancen und guter Vereinbarkeit, um endlich die Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt zu verwirklichen.

Besonders prägnant waren dabei unsere sogenannten „Schnauzbart-Aktionen“. Mit klaren Symbolen - in diesem Fall mit angeklebten Schnurbärten, die auch provozieren sollten, haben sich Gewerkschafterinnen an vielen Orten dieser Republik für ihre Belange eingesetzt. Und dabei auch für ein modernes Frauenbild.

Ich halte es für absolut wichtig. Immer wieder zu betonen: Frauen wollen selbst entscheiden, wie und in welchen Zusammenhängen sie leben wollen. Sie brauchen die Rahmenbedingungen dafür. Entgeltgleichheit, Mindestlöhne, Aufstiegschancen und eine qualitativ hochwertige, bedarfsgerechte Betreuung für Kinder aller Altersgruppen. Darauf muss auch die Politik Antworten geben, nicht nur im Superwahljahr 2009.

Ich war auf verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen von „Ich bin mehr wert!“ dabei. Ein Eindruck blieb haften: wir sind Frau genug, zu sagen, was wir wollen. Wir sind eigenständig und wollen nicht immer nur in Familie wahrgenommen werden. Frauen sind mehr wert, wenn es um ihre berufliche Weiterbildung bzw. Karriere geht! Frauen sind mehr wert, bei der Entlohnung wie bei der Bewertung ihrer Arbeit. Im Zuge der Initiative ist unsere Seite entstanden, auf der viele Fotos und Eindrücke zu finden sind. Schaut doch mal vorbei auf www.DGB-Frauen.de

Wo stehen wir heute?

Die aktuelle Brigitte-Studie zeigt’s ja deutlich: junge Frauen schauen selbstbewusst in die Zukunft. Sie wollen sich eine eigenständige Existenz aufbauen, eine gleichberechtigte Partnerschaft führen und distanzieren sich deutlich von traditionellen Familienmodellen. Gerade der erste Punkt ist mir besonders wichtig.

Die Vielfalt der Lebens- und damit auch der Familienmodelle muss politisch endlich zur Kenntnis genommen werden. Ich habe kein Problem damit, wenn in Partnerschaften einer oder eine (zeitweise) aussteigt und ein eher traditionelles Rollenmodel gewählt wird. Wer sich’s leisten will. Aber ich habe was dagegen, wenn dieses eine Modell hochgehalten und steuerlich gefördert wird, obwohl es sich in der Realität längst überlebt hat. Im Jahr 2006 lebte jeder vierte Paarhaushalt in Westdeutschland und 40% derer in Ostdeutschland mit Einkommen, die gemeinsam durch beide Partner erwirtschaftet wurden. Tendenz steigend. Immer mehr Frauen sind in ihren Partnerschaften und Familien die Alleinverdienerin. Und in jedem zehnten deutschen Haushalt leben Frauen ohnehin alleinerziehend. Frauen sind also keine ZuverdienerInnen, bei denen man beim Lohn, beim Überstundenausgleich und bei Ausstiegschancen Abstriche machen kann.

Entgeltgleichheit bleibt ganz oben auf der Agenda. Der aktuelle Vorschlag von Olaf Scholz ist ein erster, wichtiger Schritt, den die DGB-Frauen ausdrücklich begrüßen. Für gesetzliche Rahmenbedingungen, um endlich equal pay durchzusetzen, und für ein umfassendes Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft kämpfen wir. Wir DGB-Frauen erwarten, dass der Vorschlag des Arbeitsministers nach der Bundestagswahl zügig eingebracht und umgesetzt wird.

Unerlässlich ist meiner Meinung nach auch eine Quotenregelung für die Besetzung von Aufsichtsräten. Sie war bekanntermaßen damals auch in Norwegen heiß umstritten. Sie haben nicht zum Untergang der norwegischen Wirtschaft geführt, im Gegenteil. Sie bedeuten heute mehr Geschlechtergerechtigkeit und damit auch mehr Qualität in der Arbeitswelt für Männer und Frauen. Das ist ja inzwischen auch in der deutschen Politik, zumindest in den Wahlprogrammen einiger Parteien, angekommen.

Lassen wir uns nicht verrückt machen von den ewigen Schwarzmalern. Eine konsequente Gleichstellungspolitik und damit verbunden auch eine stärkere Anti-Diskriminierungspolitik insgesamt würde Deutschland gut zu Gesicht stehen, da sich ja nun auch schon internationale Gremien wie der CEDAW-Ausschuss bei den Vereinten Nationen besorgt über den gleichstellungspolitischen Stillstand in unserem Land äußern.

Ein weiteres Feld bleibt unser Engagement für eine geschlechtersensible Berufsorientierung. Denn der Ausbildungsreport der DGB-Jugend vom September 2009 bringt es auf den Punkt. Bereits mit der Berufswahl werden wichtige Weichen für die Spaltung des Arbeitsmarktes gestellt, bereits in der Ausbildung ziehen junge Frauen oft den Kürzeren. Hier muss es immer um eine Doppelstrategie gehen. Junge Frauen brauchen die Möglichkeit, sich auszuprobieren und Berufe jenseits den Top 10 wirklich kennenlernen. Nicht nur am Girls’ Day. Dann müssen wir endlich auch mit Stereotypen brechen – in Bezug auf unser Männer- und Frauenbild, aber auch in Bezug auf Berufe. Wünsche vieler junger Auszubildende an den Beruf wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind oft nur Zuschreibungen, die mit der beruflichen Realität wenig zu tun haben. Wichtig ist letztlich aber auch die Aufwertung der Arbeit, die Frauen in unserer Gesellschaft täglich leisten. Die ErzieherInnen haben den Anfang gemacht. Wenn die FDP das Wort Leistungsträger in dem Mund nimmt, schweben der Mittelstand oder die Selbstständigen ungesagt durch den Raum. Ich wünsche mir, dass noch deutlicher betont wird, dass auch AltenpflegerInnen, GrundschullehrerInnen und GebäudereinigerInnen zu den LeistungsträgerInnen in Deutschland gehören.

Und am Ende zählt auch, ob Frauen, vor allem junge Frauen, in der Politik vertreten sind. Mit ihrem Gesicht. In den Parteien, in der Kommunalpolitik, in den wichtigen Spitzenämtern. Ein wichtiges Zeichen hat der Kanzlerkandidat der SPD dabei bereits gesetzt: viele kompetente Frauen im Team. Da kann ich nur sagen: Weiter so!

Comments

9 Responses to “Ich bin mehr wert!”
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