Nicht die halbe Macht, aber nah dran

Manche halten es für eine Verschwörung des Weiblichen. Egal, welchen Sender man einschaltet, überall Frauen. Und sie dürfen richtig viel machen: nicht nur Weichspüler anpreisen oder die Nachrichten vorlesen, sondern das Mikro halten, Fragen stellen, Rederechte erteilen. Viele Zuschauer ziehen daraus den Schluss: Frauen haben in Deutschland die Macht. Ein Kurzschluss.

Keine Frage, es ist ein Fortschritt, dass Anne Will den Westerwelles dieser Welt die Fragen stellen darf und nicht Peter Hahne. Aber ist die fragende Frau mächtiger als der antwortende Mann? Ist die Frau, die vor der Kamera die Augenbraue hebt mächtiger als der Mann, der in Aufsichtsräten den Daumen hebt oder senkt. Der über das große Geld, die großen Entscheidungen und die großen Fehler wacht?

Warum sitzt im Aufsichtsrat bei Springer neben Friede keine zweite Frau? Warum bei Bertelsmann neben den Mohn-Frauen nur noch die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und sonst lauter Männer? Warum findet sich in den DAX-Unternehmen unter 180 Vorstandsmitgliedern nur eine einzige Frau? Es ist ja offenbar so: Wenn man gewähren lässt, dann wählen Männer fast nur Männer in den Aufsichtsrat. Darum ist es gut, dass die SPD jetzt eine 40-Prozent-Quote für Frauen in Aufsichtsgremien fordert. Das ist zwar noch nicht die halbe Macht, aber es ist ziemlich nah dran.