Ursula meint: Kauft Kredite!

UvdLDie Bundesministerin für Familie hat vor wenigen Tagen in einer Pressekonferenz ihr Memorandum „Zeit für Familie“ vorgestellt. Mit Interesse habe ich ihre Ausführungen verfolgt, weil ich Aussagen erwartet habe, die unsere heutige Arbeitskultur kritisch in die Mangel nehmen.

Unbestreitbar sind ihre Äußerungen, wonach Familien mehr Zeit füreinander brauchen und Beruf und Alltag nur sehr wenig Zeit für Gemeinsamkeiten lassen.

Sofort denke ich an Vollzeit arbeitende Menschen, die es kaum schaffen die zeitlichen Anforderungen eines Arbeitstages im Rahmen der Öffnungszeiten ihrer Kita unterzubringen. Und diese gestressten Menschen sind schon zu den glücklicheren zu zählen. Denn neben ihnen gibt es immer noch, v.a. Frauen, deren örtliche Kinderbetreuungsangebote gar keine 8h-Tage zulassen.

Ich denke an Aussagen von Brigitte Zypries, wie hier anlässlich der Veranstaltung „90 Jahre Frauenwahlrecht“.

Mir fällt sofort die rechtliche Besserstellung der Langzeitkonten ein, wie sie Anfang Januar vom Arbeitsminister Scholz auf den Weg gebracht wurden.

Ich träume von deutschen Managern und leitenden Angestellten, die Sitzungen um 15.30h abbrechen und eine Fortsetzung für den nächsten Tag ankündigen. In Norwegen ist dies kein Traum, sondern Realität. Denn hier sind sich alle einig: ein Manager ist auch Familienmann. Eine leitende Angestellte eine Mutter.

Kurz: Ich teile die Analyse von Ursula von der Leyen, aber bereits ihr Lösungsansatz reißt mich aus meinen Vereinbarkeitsträumen. Ihre Vorstellungen sind weit von meinen entfernt. Sie denkt nicht an ein Aufbrechen der deutschen Omnipräsenz am Arbeitsplatz, sondern an Kreditangebote.

„Das Memorandum schlägt die Einführung eines Familienzeitkredits vor, der die finanzielle Lage von Familien in Phasen erleichtern würde, in denen sie mehr Zeit für ihre Familien brauchen. Ein solcher Zeitkredit ist ein zinsgünstiges Darlehen, mit dem vor allem Erwerbstätige vorübergehend aus dem Beruf aussteigen oder die Arbeitszeit verringern können, wenn die familiäre Situation dies erfordert. Vorbild wäre der bereits existierende Bildungskredit.“

Nicht nur in Zeiten, die unter dem Eindruck einer aus faulen Immobilienkrediten entstandenen Finanzkrise stehen, das falsche Mittel. Für mich kein denkbarer Ansatz. Mein Ratschlag: Besser diese Idee nicht wiederholen, liebe Ursula und schnell abtauchen.